filme für eine weltaktuellkino
Toumast 
Frontier Blues 
L'encerclement 
Lola 
Turistas 
The Two Horses of Genghis Khan 
Pizza Bethlehem 
Air Doll 
Trans-Cutucú 
Cinco dias sin Nora 
Das Herz von Jenin 
Welcome 
Teza 

Weiterhin 

Aktuell im Kino

Die folgenden Filme aus Afrika, Asien und Lateinamerika sind in Schweizer Kinos zu sehen. Da viele dieser Filme nicht gleichzeitig in mehreren Kinos programmiert sind, beachten Sie bitte die Details in der Presse.

Einen Überblick über die Filme im Kino in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website Cineman.

 

Jetzt im Kino
Toumast
Die Aufstellung ist nicht umfassend, die folgenden Titel entsprechen den Empfehlungen der Fachstelle «Filme für eine Welt». Besonders sehenswerte Filme sind mit einem * ausgezeichnet.

Toumast – Gitarren und Kalaschnikows
Dominique Margot, Schweiz 2010

Die Tuareg sind seit dem Einmarsch der Franzosen vor rund hundert Jahren einen weiten Weg gegangen, ein Weg gezeichnet von Unterdrückung, Dürrezeiten und Rebellionen. Trotzdem gelten sie heute weltweit als eines der besten Beispiele wie sich ein Nomadenstamm durch Kultur, Ausbildung und Musik in der Moderne seinen Platz schaffen will. Und dies als islamisches Volk in einer der unwirtlichsten Landschaften der Welt: die Sahara.

Toumast - entre Guitare et Kalashnikov stellt die Frage, wie es dazu kam, dass nach Jahrzehnten Unterdrückung und bewaffnetem Kampf die Tuareg ihre Waffen niederlegten und sich heute mit politischen und kulturellen Mitteln für ihre Rechte einsetzen?

Ab 24. Juni in Zürich, Basel, Rapperswil, Herisau, Uzwil

Frontier Blues
Babak Jalali – Iran – 2009

Im Norden Irans, an der Grenze zu Turkmenistan, warten vier schweigsame Männer darauf, dass in ihrem Leben etwas passiert. Alam, ein 28-jähriger Turkmene, arbeitet in der Hühnerfarm und lernt im Selbststudium Englisch; Hassan, knapp dreissig, spaziert mit seinem Esel und dem Kassettengerät, auf dem er französische Chansons spielt, durch die karge Landschaft; Kazem, sein Onkel, besitzt einen Kleiderladen, dessen Pullover allen zu gross scheinen. Und ein Fotograf aus Teheran porträtiert einen turkmenischen Balladensänger, dessen Frau vor vielen Jahren von einem Schafhirten mit einem grünen Mercedes verschleppt wurde…

In minimalistischem Stil und mit lakonischem Humor, der an Aki Kaurismäki und Jim Jarmusch erinnert, stimmt Babak Jalali den Blues der zentralasiatischen Steppe an – skurril, amüsant und melancholisch. [pd]

Film des Monats, Kinotipp der kirchlichen Filmbeauftragten
Weitere Informationen: trigon film

L’encerclement – Die Demokratie in den Fängen des Neoliberalismus
Richard Brouillette, Kanada 2008

Ausgehend von den Überlegungen und Analysen anerkannter Intellektueller zeichnet der Film ein Porträt der neoliberalen Ideologie und nimmt die vielfältigen Mechanismen unter die Lupe, mit denen der ganzen Welt das Diktat dieser Ideologie auferlegt wird.

Richard Brouillette brauchte zwölf Jahre für die Fertigstellung seines Films. Er gibt den brillantesten Vertretern und Gegnern des Neoliberalismus das Wort und nimmt den Zuschauer auf eine interessante Reise mit, damit er durch ein besseres Verständnis den möglicherweise revolutionären Weg zu selbständigem Denken und Handeln beschreiten kann.

"Ein hageldichtes, gescheites, kritisches Thesenstück zu Wurzeln und Strategien des Neoliberalismus mit seinem globalen neokolonialistischen Effekt."
Martin Walder, Neue Zürcher Zeitung

  • Grand Prix Visions du Réel (Nyon) 2009
  • Grand Prix Yamagata International Documentary Film Festival 2009
  • IndieLisboa Filmfestival 2009: Publikumspreis und lobende Erwähnung der Jury Amnesty International.

Weitere Informationen: cinélibre

*Lola
von Brillante Mendoza, Philippinen 2009

Die Lebenswege von zwei ausserordentlichen Grossmüttern kreuzen sich durch das Schicksal. Die eine hat ihren Enkel durch eine Gewalttat verloren, die andere kämpft für die Freilassung ihres Enkels, welcher der Tat verdächtigt wird. Mit Handkamera und in packender Geräuschkulisse inszeniert Mendoza mitten im Grossstadtgetümmel Manilas die Chronik einer Annäherung wider Willen: kraftvoll, sanft und in dokumentarischer Unmittelbarkeit versetzt uns der Regisseur in einen Alltag, der die Realitäten von Tod, Gerechtigkeit, Armut und die Suche nach Würde umfasst. Der erste philippinische Spielfilm in den Schweizer Kinos wurde mit dem Don Quixote Award sowie dem Preis der Ökumenischen Jury am Filmfestival Fribourg 2010 ausgezeichnet.

Weitere Informationen: trigon film

Turistas
Alicia Scherson, Chili 2009

Die Biologin Carla und ihr Mann Joel sind Touristen im eigenen Land. Bald lässt er sie am Strassenrand sitzen, weil er das Gefühl hat, sie hätte ihm nicht alles gesagt, was sie ihm hätte sagen müssen. Carla muss zur Kenntnis nehmen, dass ihr Mann mitsamt dem Ferienzeugs allein davongefahren ist. Der kleine Zwist mag auch noch alltäglich sein, nicht aber die Trennung, die doch überraschend kommt und die bald einmal dazu führt, dass das Wort «Touristen» noch einen anderen Sinn bekommt, einen philosophischeren. Denn Touristinnen und Touristen sind wir ja alle irgendwie und dauernd auf unserer Lebensreise.

Carla entscheidet sich, nachdem sie zuerst ganz einfach heimkehren wollte, zu einem Abstecher in einen nahen Naturpark, in ein Stück gepflegte Wildnis. Die Bekanntschaften, die sie dort macht, haben es in sich, alle leicht schräg, alle leicht abseitig, immer nur minim und also irritierend… Alicia Scherson gehört seit ihrem Erstling Play (Tiger Award Rotterdam) zu den Entdeckungen und den grossen Talenten im chilenischen Kino.

Weitere Informationen: trigon film

The Two Horses of Genghis Khan
Byambasuren Davaa, D/Mongolei 2009

Ein Versprechen, eine alte, zerstörte Pferdekopfgeige und ein verloren geglaubtes Lied führen die Sängerin Urna in die Äussere Mongolei zurück. Ihre Grossmutter musste einst ihre geliebte Geige in den Wirren der chinesischen Kulturrevolution zerstören. Auf dem Geigenhals war das uralte Lied der Mongolen, „Die zwei Pferde des Dschingis Khan“ eingraviert. Nur Hals und Kopf der Geige überlebten den Kultursturm. Nun ist es an der Zeit, das Versprechen, das Urna ihrer Grossmutter gab, einzulösen. [pd]

Behäbiges dokumentarisches Road Movie mit inszenierten Sequenzen, das die Schönheit der mongolischen Landschaft feiert und den Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne thematisiert, wobei ihm ironische Brechungen nicht geschadet hätten. (aus: Film-Dienst)

Offizielle Website

*Pizza Bethlehem
Bruno Moll, Schweiz 2010

Im Zentrum stehen neun junge Frauen des FC Bethlehem. Das Team spiegelt die multikulturelle Zusammensetzung des Berner Quartiers, in dem die Mädchen leben. Der Film begleitet das quirlige Team beim Fussballspielen und betrachtet liebevoll den Alltag der jungen Frauen in Schule, Liebe, Beruf und Familie. Das familiäre und schulische Umfeld kommt dabei nie ins Bild. So schafft der Autor eine grosse Vertrautheit zu seinen Protagonistinnen, die offen von sich, ihrem Alltag und ihren Vorstellungen für die Zukunft erzählen. Entstanden ist ein erfrischendes, unterhaltsames, vielschichtiges Porträt, das emotional anspricht und vom Lebensgefühl einer neuen Generation erzählt. [dg]

Weitere Informationen: trigon film

Air Doll - Kûki ningyô
Hirokazu Kore-Eda, Japan 2009

Ein Mann um die vierzig kehrt in einer regnerischen Nacht von seiner Arbeit als Kellner heim in seine kleine Vorortswohnung in Tokyo. Er freut sich darauf, den Abend mit Nozomi zu verbringen, einer aufblasbaren Puppe, die er sich für wenig Geld gekauft hat. Mit ihr spielt er Eheleben, ein bisschen einseitig zwar, aber er scheint zufrieden. Er hat Nozomi schöne Kleider gekauft und plaudert mit ihr am Tisch über den Arbeitstag. Im Bett knistert der Plastik. Eines Morgens, kaum ist der Herr aus dem Haus, beginnt die Puppe sich zu bewegen, kleidet sich und stakst hinaus auf die Strasse. Sie will das Leben entdecken und nimmt wissbegierig auf, was sie unterwegs zu sehen und hören bekommt. Nozomi, hervorragend verkörpert von der koreanischen Schauspielerin Duna Bae, entdeckt auf ihren Streifzügen das, was das Menschsein ausmacht und natürlich auch die Liebe. Ein verspielter Film über eine Puppe, die richtig Frau sein will. [pd]

Weitere Informationen: trigon film

Trans-Cutucú
Dokumentarfilm von Lisa Faessler, Schweiz/Ecuador 2010

Lisa Faessler nähert sich in ihrem Essayfilm dem Thema in weiten narrativen Bögen. Getragen von den klaren, atmosphärischen Bildern des Kameramannes Pio Corradi gleiten wir als Zuschauende langsam in den geografischen Raum von „Trans Cutucu“: das Amazonas-Gebiet in Ecuador, in dem eine neue Strasse den Holztransport der indigenen Bevölkerung erleichtern soll. Tatsächlich haben die Einheimischen, die mit blossen Händen und müden Pferden arbeiten, gegenüber der mechanisierten Grossindustrie keine Chance. Mit dem Blick der Ethnologin, die den Alltag und die Rituale der Urbevölkerung seit Jahren beobachtet, dokumentiert Faessler die unwürdigen Arbeitsbedingungen. Den aktuellen Aufnahmen stellt sie Material aus den 1980er Jahren gegenüber, die eindrücklich belegen, wie den Indigenen zunehmend die Lebensgrundlage entzogen wird. Ihr Film ist ein stiller Protest gegen die Abholzung des Regenwaldes und die Ausrottung der einheimischen Bevölkerung. [pd]

Weitere Informationen: trigon film

Cinco dias sin Nora (Fünf Tage ohne Nora)
Mariana Chenillo, Mexico 2009

Nora und José waren einmal ein verliebtes Paar. Nun sind sie ins Alter gekommen und seit 20 Jahren geschieden. Sie leben in zwei gegenüberliegenden Wohnungen an derselben Strasse einer mexikanischen Stadt. Nora plant ihren Tod und will dabei ihren Ex-Mann José noch einmal tüchtig beschäftigen. Es ist Noras letzter Wille, dass José sich um ihr Begräbnis kümmern soll, das sich, wegen einem religiösen Feiertag und ihrem Freitod, als recht schwierig erweist. Zudem findet José ein mysteriöses Foto unter Noras Bett. Es erinnert ihn und uns daran, wie die grössten Liebesgeschichten oft an den kleinsten Orten verborgen schlummern. In ihrem ebenso komischen wie sanften Spielfilmerstling erzählt Mariana Chenillo traumwandlerisch leicht eine Geschichte über so gewichtige Momente im Leben wie den Tod, die Ehe, den Glauben und die Liebe. [pd]

Der Film lief mit Erfolg in Mexikos Kinos und wurde an verschiedenen Festivals preisgekrönt.
Film des Monats, Kinotipp der kirchlichen Filmbeauftragten.
Weitere Informationen, genaue Spielzeiten und -Orte: trigon film

*Das Herz von Jenin (The Heart of Jenin)
Dokumentarfilm von Leon Geller und Marcus Vetter, D/Palästina 2008

Der Film erzählt die wahre Geschichte Ismael Khatibs, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich am Kopf getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten. Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um diese Kinder zu besuchen. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah.

Genauso bewegend wie nachhaltig beeindruckend erzählt «Das Herz von Jenin» von einer zutiefst menschlichen Geste im Augenblick der grössten Tragödie. Und davon, dass Hoffnung selbst dann eine Chance hat, wenn die Situation ausweglos erscheint. [pd]

  • Cinema for Peace Award 2009
  • DEFA-Förderpreis auf dem DOK Leipzig Festival 2008
  • 1. Preis Valladolid International Film Festival, Sektion «Time of History»
  • Publikumspreis Int. Filmfestival Dubai 2008

Die Website zum Film 

Welcome
Philippe Lioret, Frankreich, Frankreich 2009

Seit Monaten ist Bilal unterwegs. Aus dem Iran hat er es bis nach Calais geschafft. Auf der anderen Seite des Ärmelkanals wartet seine Freundin Mina in London auf ihn. Da wegen den rigorosen Grenzkontrollen an eine illegale Überfahrt auf der Fähre nach England nicht zu denken ist, bleibt ihm eine letzte Hoffnung: Das Meer schwimmend zu durchqueren. In der scheinbaren Ausweglosigkeit findet er im Franzosen Simon einen Verbündeten. Der ehemalige Topschwimmer zeigt sich beeindruckt von Bilals Entschlossenheit und unterstützt ihn – trotz hohem Risiko für beide.

Philippe Lioret erzählt ohne unnötige Sentimentalität eine bewegende Geschichte zu einer brandaktuellen Thematik. Grossen Erfolg feierte WELCOME an der Berlinale und in Frankreich hat er eine weit greifende öffentliche Debatte über die Flüchtlingssituation in Calais ausgelöst. [pd]

Trailer (Installation des Programms Quick Time erfordertlich)

*Teza 
Haile Gerima, Äthiopien 2008

Nach dem Medizinstudium in Deutschland kehrt Anberber zurück in seine Heimat Äthiopien. Sein Freund hat bereits Frau und Kind im Exil verlassen, um sich in den Dienst der Revolution zu stellen. Anberber interessiert aber vor allem die Wissenschaft im Dienst der Menschen. Zurück in Äthiopien gerät er aber in den Strudel der Ereignisse in seinem Land in Aufruhr.

Der Film beginnt mit der Rückkehr Anberbers in sein Heimatdorf als gebrochener Mann. Nach und nach versucht Anberber, seine Erlebnisse zu verarbeiten und wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen – Haile Gerima führt mit Rückblenden auf beeindruckende Weise in die jüngere Geschichte Äthiopiens ein. Und er zeigt anhand seiner Hauptfiguren, wie die Menschen von den Mächtigen missachtet und geschunden werden – seien dies nun die Kolonialherren, der Kaiser oder die Junta Mengistus. Trotz aller Härte ein bewegendes, aussergewöhnliches und unvergessliches Kinoerlebnis! [dg]

Hauptpreis am panafrikanischen Filmfestival FESPACO, Spezialpreis der Jury in Venedig

Weitere Informationen: trigon film

Weiterhin
in kleineren Kinos, bitte Tagespresse beachten

  • El nido vacio
    Daniel Burman, Arg/F/I/E 2008

    In seinem neusten Film erzählt der Argentinier Daniel Burman von einem Moment, der das Leben aller Eltern mit erwachsen werdenden Kindern prägt. Es ist die Zeit, in der die Kinder ausfliegen, das Nest verlassen. «El nido vacío», das verlassene Nest eben, ergründet den Moment der Leere, wenn die Kinder gross geworden sind und selbstständig, wenn sie das erreicht haben, was ihnen die Eltern ja über die Jahre ihrer Kindheit hinweg wünschten. Das alltägliche familiäre Chaos endet - was folgt? In «El nido vacío» ist es Leonardo, ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich mit seiner Frau eines Tages in dieser Situation vorfindet. Was stellt man sich vor? Was ist wirklich? Ein ebenso sanfter wie klug gebauter Film rund um die Familie, die Träume und Ängste auch, um Hoffnungen und Ahnungen. Ein weiteres starkes Stück von Daniel Burman, der mit «Esperando al Mesías» (2000) und «El abrazo partido» (2004) aufgefallen war und eine der herausragenden Figuren im jungen argentinischen Kino ist , grossartig in Szene gebracht und überraschend. Mit Almodovar-Schauspielerin Cecilia Roth und Oscar Martínez, der am Festival von San Sebastian für die Darstellung des Vaters ausgezeichnet wurde, genauso wie Kameramann Hugo Colace, der es schafft, die Kamera zu einer eigenständigen Figur werden zu lassen.

    Beste Kamera, und bester Schauspieler, Filmfestival San Sebastian; Robert Bresson Award Venice

    Weitere Informationen: trigon film

    *La teta asustada
    Claudia Llosa, Peru 2009

    Fausta ist eine junge, bildhübsche Frau in Lima. Ihre Mutter war aus den Anden in die Stadt gezogen. Jetzt stirbt die alte Frau, und die Tochter bleibt allein mit den bösen Geschichten zurück, die ihr die Mutter erzählt hatte. Fausta hat Angst, sich allein in der Stadt zu bewegen, weil sie aus den Erzählungen der Mutter von deren Vergewaltigung erfahren hat. Mit einer Kartoffel in der Vagina schützt sich die Frau vor den Männern, und weil sie Geld braucht, um die Mutter zum Begräbnis ins Dorf zurückzuführen, arbeitet sie bei einer reichen Musikerin in der Stadt. Für Fausta beginnt eine Reise aus der Furcht in die Freiheit, eine Reise zu sich selber. [pd]

    Starkes Autorinnen-Kino, das an der Berlinale 2009 mit dem Goldenen Bären und dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet wurde.

    Weitere Informationen: trigon film

    Still Walking
    Hirokazu Kore-eda, Japan 2008

    Die Geschichte eines Geschwisterpaars, das mit seinen Familien die bejahrten Eltern besucht , scheint auf den ersten Blick eine vollkommene alltägliche Situation zu sein. Doch der Grund des Treffens ist weniger alltäglich: Sie versammeln sich im Gedenken an den Tod von Junpei, dem älteren Bruder, der vor 15 Jahren ertrank, als er einem Jungen im nahe gelegenen Meer das Leben rettete. Der pensionierte Vater Shohei, vormals ein Arzt, trauert immer noch um Junpei, den glänzenden Jugendlichen und designierten Erben seiner Klinik, während er seinen lebenden Sohn Ryota, einen arbeitslosen Kunstrestaurator, als zweitklassig betrachtet. Doch Kore-eda lässt diesen Konflikt nicht mit lautstarken Konfrontationen aufbrechen, er mischt sich viel eher als stiller und aufmerksamer Beobachter unter die Familie. [pd]

    San Sebastian Filmfestival, CEC AWARD für den besten Film Mar del Plata: GOLDEN ASTOR to Best Feature Film Tokyo, BLUE RIBBON AWARD best director

    Weitere Informationen: trigon film

    Un Barrage contre le Pacifique
    Rithy Panh, Kambodscha 2008

    Indochina, 1931. Im Golf von Siam, am Rand des Pazifischen Ozeans, lebt eine Mutter mit ihren beiden Kindern, dem 20-jährigen Joseph und der 16-jährigen Suzanne. Sie sieht sie aufwachsen und weiss, dass sie sie irgendwann in absehbarer Zeit verlassen werden. Müde von der kolonialen Administration investiert die Mutter alle ihre Ersparnisse in ein Grundstück, das regelmässig überflutet wird und also nicht bebaubar ist. Sie kämpft gegen korrupte Bürokraten und steckt ihre gesamte Energie in ein hoffnungslos erscheinendes Projekt: Sie will mit Hilfe der Bauern des Dorfes einen Damm gegen den Ozean errichten. Als Folge dieses Engagements geniessen Joseph und Suzanne sozusagen die absolute Freiheit. Monsieur Jo, Sohn eines reichen chinesischen Händlers verfällt dem Charme von Suzanne. Kann die Familie daraus womöglich sogar Profit ziehen? Die Duras-Romanverfilmung des Kambodschaners Rithy Panh besticht mit ihren Landschaften und Isabelle Huppert in der Rolle der Mutter zur Kolonialzeit. [pd]

    Weitere Informationen: trigon film

    Three Monkeys
    Nuri Bilge Ceylan, Türkei 2008

    Mitten im Wahlkampf verursacht der Politiker Servet einen Autounfall. Um seine Karriere nicht zu gefährden, überredet er seinen Chauffeur Eyüp, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Eyüp geht für ihn ins Gefängnis - und Servet beginnt ein Verhältnis mit dessen Frau. Ihr Sohn entdeckt die Affäre... Ein mitreissendes, ästhetisch herausragendes Familiendrama, in dem sich alle wie die sprichwörtlichen drei Affen verhalten: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. [pd]

    Festival de Cannes 2008 - Preis für die beste Regie

    Die Website zum Film

    *Birdwatchers
    Marco Bechis, Brasilien 2008

    Eine Gruppe Guarani-Kaiowá-Indianer aus dem brasilianischen Mato Grosso do Sul hat genug vom Leben im Reservat und kehrt zurück aufs Land ihrer Vorfahren, wo früher Urwald war und heute Ackerland eines Grossgrundbesitzers. Hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach der Rückkehr zum Leben im Wald und dem Wunsch danach, in der modernen Gesellschaft ihren Platz zu finden, werden sie aufgerieben zwischen den beiden nicht kompatiblen Lebensformen.

    Der sorgfältig recherchierte und mit indigenen Laiendarstellern inszenierte Film bringt die schwierige Situation und die Bedrängnis indigener Völker zwischen Tradition und Anpassung an die Moderne in ihrer ganzen Ausweglosigkeit zum Ausdruck. Ein aufrüttelnder Film, der nachdrücklich auf eine allzu oft vergessene oder verdrängte Problematik hinweist und zum Nachdenken anregt: Wem gehört der Boden? Wer hat Anspruch auf die Erde? Wie können unterschiedliche Kulturen mit ganz verschiedenen Werten und Traditionen nebeneinander oder gar miteinander existieren? Wie gehen 'moderne Gesellschaften' mit Minoritäten um, und welche Möglichkeiten haben diese, in einem sich verändernden Umfeld dennoch ein selbstbestimmtes Leben nach ihrem Wunsch zu führen? [dl]

    Basel (kult.kino camera), Bern (Movie), Biel (Rex), Baden-Wettingen (Orient) und ab 7. Mai in Zürich

    *No More Smoke Signals
    Fanny Bräuning, Kaspar Kasic, Schweiz 2008

    Mitten im Lakota-Reservat steht ein Radiosender: «Kili Radio», die Stimme der Lakota. Er wurde in den 70er Jahren von Aktivisten der indianischen Widerstandsbewegung gegründet, um der Gemeinschaft ein neues Selbstbewusstsein zu geben. Derrick Janis hat hier eine Arbeit als DJ gefunden. Er sieht sich als modernen Krieger, nicht auf dem Pferd, sondern als DJ auf einem Hügel. Der wirtschaftlichen Vernachlässigung und kulturellen Ausgrenzung halten die Lakota nun ihre Sprache und den Stolz auf ihre Kultur entgegen. Und alle Jahre findet zum Gedächtnis von Niederlage und Aufstand ein traditioneller Ritt zu "Wounded Knee" statt – ein auch visueller Höhepunkt. Dank verschiedenen Begegnungen, u.a. mit dem ehemaligen Aktivisten und heutigen Musiker John Trudell, zeigt der Film, wir wichtig die Radiostation für die kulturelle Identität der Lakota ist. Ein ermutigender Film zu einem spannenden Thema, der zum Denken anregt.

    • Schweizer Filmpreis 2009
    • 1. Jury Preis "Prix de Soleure" am Festival in Solothurn 2009
    • Zürcher Filmpreis 2008

    Die Website zum Film 

    *Lluvia
    Paula Hernández, Argentinien 2008

    Zwei Fremde treffen in Buenos Aires nachts bei strömendem Regen unter sonderbaren Umständen aufeinander. Gehetzt und an der Hand blutend dringt Roberto in Almas Auto ein und setzt sich schweigend neben sie. Obschon die beiden nichts voneinander wissen, ziehen sie sich fast magisch an – zwei einsame Gestalten, die an ihrer Einsamkeit leiden und doch nichts von sich preisgeben wollen. Beide befinden sich an entscheidenden Punkten in ihrem Leben, beide sind Suchende, die sich neu orientieren müssen. Erst sehr zögerlich fassen sie Vertrauen, öffnen sich langsam und geben sich gegenseitig Halt. Aus der anfänglich bedrohlichen Zufallsbegegnung entsteht eine zarte Beziehung auf Zeit. Ein leiser, feiner, schön fotografierter Film, der in der Erinnerung noch lange nachwirkt. [dl]

    • Best Picture and the Ecumenical Jury prize at Mannheim-Heidelberg
    • IP in Competition at Montreal WFF
    • Jury Special Prize and Best Actress at Huelva iff 08 Goeteborg IFF 09

    Weitere Informationen: trigon film

    La Forteresse
    Dokumentarfilm von Fernand Melgar, Schweiz 2008

    Zum ersten Mal durchdringt eine Kamera uneingeschränkt die Mauern eines Schweizer Empfangszentrums für Asylbewerber. Sie bietet uns einen menschlichen Blick auf einen kargen Übergangsort, wo 200 Männer, Frauen und Kinder - hin und hergerissen zwischen Hoffnung und Zweifel - darauf warten, dass der Staat über ihr Schicksal entscheidet. Der Film hält mit nüchternem Blick von Aussen die Abläufe fest und lässt die Schicksale der Menschen an den Betrachter/innen vorbeiziehen

    Auszeichnungen:

    • Pardo d’Oro: Wettbewerb „Cinéastes du présent“ – Internationales Filmfestival Locarno
    • Grosser Preis ‚Cinéma vérité’: Internationales Filmfestival Teheran
    • Grosser Preis: Rencontres Internationales du film documentaire Montréal
    • Mention spéciale für den Schnitt: Rencontres International du film documentaire Montréal
    • Publikumspreis: Festival dei Popoli, Florenz

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    Kinotipp der kirchlichen Filmbeauftragten

  • Luck by Chance
    Zoya Akhtar, Indien 2009

    In Mumbai, sind ein junger Schauspieler und eine junge Schauspielerin auf der Suche nach einer Traumrolle. Er hat Bühnenerfahrung und möchte als Leinwandheld gross herauskommen, sie ist beinahe zu allem bereit, um in einer grossen Produktion mitzuwirken. Die beiden verlieben sich in ihrer Wirklichkeit ineinander, und er durchlebt eine Liebesgeschichte auf dem Filmset, wo natürlich auch von der Liebe erzählt wird. Die junge Filmemacherin Zoya Akhtar siedelt ihren Film mitten in den Dekors der weltweit grössten Filmstadt an, entlarvt diese und lässt uns gleichzeitig schwelgen in den Traumwelten, in denen auch LAGAAN-Star Aamir Khan einen Gastauftritt hat.

    Der Film handelt vom Glück, Glück zu haben, und von der Sehnsucht danach, glücklich zu sein. Und vom Kino, wo die Träume vom Glück entstehen und blühen können. [pd]

    Weitere Informationen: trigon film

    El Niño pez
    Lucìa Puenzo, Argentinien 2009

    Lala lebt in einer der exklusivsten Wohngegenden von Buenos Aires und ist leidenschaftlich verliebt in Guayi, eine indigene 20-Jährige, die im Haushalt ihrer Eltern angestellt ist. Gemeinsam träumen die beiden Mädchen davon, in Paraguay zu leben, irgendwo an den Ufern des Lago Ypoá. Um dies Wirklichkeit werden zu lassen, klauen sie alles, was sich im Haus nur finden lässt. Da der Vater, ein erfolgreicher Anwalt, ebenfalls ein Auge auf Guayi geworfen hat, verändert alles.

    Ein stimmungsvoller, teils märchenhafter Film, in dem die Autorin des äusserst berührenden Erstlings XXY erneut ein starkes Gefühl für die Befindlichkeit junger Menschen vermittelt.

    Malaga Spanish Film Festival: Beste Kamera, Special Jury Award

    Témoin indésirable
    Dokumentarfilm von Juan José Lozano, Schweiz/Frankreich 2008

    Mitten im humanitären Drama in Kolumbien setzt der Journalist Holman Morris alles daran, die Barbarei anzuklagen und in seiner wöchentlichen Fernsehsendung CONTRAVIA über die Ereignisse zu berichten. Es ist die einzige Sendung dieser Art, die in einer von Telenovelas und lokalen Showbiz-Spektakeln besetzten Fernsehlandschaft noch existiert.

    Seine exklusiven Reportagen haben ihn internationale Anerkennung und wertvolle Preise eingebracht, aber auch Morddrohungen und Einschüchterungen aller Art. In dieser immer feindseliger werdenden Atmosphäre fragen sich Hollman Morris und seine Familie, ob sie das Land verlassen sollen.

    Weit über den vorhersehbaren Diskurs über Mut und Heroismus eines Journalisten hinausgehend, entwirft Regisseur Juan José Lozano das kompromisslose Porträt einer vielschichtigen Persönlichkeit mit all ihren Überzeugungen, Motivationen und Ängsten, und ihrem Engagement für die Meinungsfreiheit in einem vom Krieg zerrissenen Land.

    Ein eindrückliches Portrait eines engagierten und unermüdlichen Journalisten

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    PRIX SUISSIMAGE / SSA, MEILLEUR FILM SUISSE DE CREATION; Palm Springs Int. Film Festival 2009: Grand Jury Prize

    *Pandora’s Box - Pandoranin kutusu
    Yesim Ustaoglu, Türkei 2008

    In einem kleinen Dorf am Schwarzen Meer verschwindet eine alte Frau spurlos. Ihre drei erwachsenen Kinder reisen aus dem fernen Istanbul an, um die vermisste Mutter in den Bergen zu suchen und sie in die Stadt mitzunehmen. Dort wird klar, dass die Mutter an Alzheimer erkrankt ist und mehr Betreuung brauchen wird, als ihre Kinder sich das vorgestellt hatten. Aber nicht nur das Leben mit der Mutter stellt sich als Herausforderung heraus, auch die Beziehung der Geschwister untereinander zeigt ihre offenen Wunden. Die neuen Umstände zwingen die drei, auch untereinander klar zu kommen. Es ist der Enkel, der sich schliesslich der anrührenden Grossmutter annimmt und sie so nimmt, wie sie ist. Das ist ein Film, der ans Herz geht und der uns alle wohl deshalb so berührt, weil vieles uns vertraut vorkommt.

    Für ihren Film wurde die Filmemacherin Yesim Ustaoglu (Reise zur Sonne) in San Sebastian mit der Goldenen Muschel für den besten Film und mit der Silberne Muschel für die beste Schauspielerin geehrt.

    Weitere Informationen: trigon film

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    Last Update 28.06.2010