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Hintergrund |
Kampf ums Wasser A guerra da agua Regie: Licinio Azevedo, Moçambique 1996/99 |
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| Inhalt
Wenn der Regen ausbleibt, beginnt der tägliche Kampf ums Wasser. Am Beispiel einer Familie in der Region Chicomo in Moçambique wird uns drastisch vor Augen geführt, wie sich der Wassermangel auf den Alltag der Menschen auswirkt. Vom Durst geschwächt versucht die Mutter an einem der Brunnen einen Eimer Wasser zu ergattern. Ihr Mann will im Busch ein Wild erlegen, und ihre grösseren Kinder, weitgehend auf sich alleine gestellt, kümmern sich um die Kleinen. Gegen den schlimmsten Durst graben die Eltern Marolawurzeln aus, deren Saft sie trinken; doch auch diese letzte «Wasserquelle» droht langsam zu versiegen. Die Frauen, die im wahrsten Sinne des Wortes die tragende Rolle bei der ländlichen Wasserversorgung innehaben, kämpfen jeden Tag erneut um Wasser. Allzu oft jedoch sind die installierten Handpumpen defekt und müssen mühsam repariert werden, oder die Brunnen sind übernutzt und geben kaum mehr Wasser her. Endlose Schlangen von leeren Eimern sind stumme Zeugen der Wasserknappheit. Der Wasserwart zieht den Zorn der Frauen auf sich, wenn er wieder einmal das kostbare Gut parteiisch verteilt. Die Frauen sind gezwungen, bei den Bohrlöchern zu übernachten, um ihren Platz in der Warteschlange nicht zu verlieren. Fällt die Pumpe ganz aus, müssen sie zum nächsten Brunnen rennen und sich erneut hinten anstellen. Die Sorge um die ohne Aufsicht zurückgelassenen Kinder wird beinahe unerträglich. Den hart erkämpften Eimer Wasser trägt die Mutter trotz Schlangen und Skorpionen nachts nach Hause. Fürs Erste erlöst sie damit die Familie von der Qual des Durstens, doch das Wasser wird nicht lange reichen. Die Mutter wird erneut grosse Strapazen auf sich nehmen müssen für den nächsten Eimer. Wasser ist eine kostbare Flüssigkeit Dass Wasser ein sehr kostbares Gut ist, darüber sind sich viele Menschen im Süden einig. Und zunehmend breitet sich diese Erkenntnis auch im Norden aus. Wasser ist in Afrika nicht gleichermassen übers Jahr für die Bevölkerung verfügbar. Die Wasserversorgung hängt von den Niederschlägen ab, da sie die Flüsse speisen, von denen immer noch der Grossteil der Bevölkerung ihr Wasser bezieht. Jahren mit hohen Niederschlägen folgen regelmässig Trockenperioden, in denen Mensch und Tier besondere Anstrengungen unternehmen müssen, um an Wasser heranzukommen. Dabei bestimmt dann schnell das «ob und wie man an Wasser herankommt» das Alltagsleben. Gleichzeitig rücken Überlegungen, ob man Wasser in ausreichender Qualität bekommt, in den Hintergrund. Einige Bemerkungen zu Moçambique Moçambique, im südlichen Afrika gelegen, grenzt an Südafrika, Malawi, Zimbabwe und Tanzania, um nur die wichtigsten Länder zu nennen. Das Land mit seinen 779 000 km2, also der mehr als der doppelten Grösse Deutschlands oder der neunzehnfachen Grösse der Schweiz, zählt lediglich etwa 16 Millionen Einwohner. Seit etwa 1000 Jahren an der Küste von arabischen Händlern besiedelt, hatte Moçambique zur Zeit der portugiesischen Kolonisation verschiedene lokale Königreiche, die zentrale Teile des heutigen Moçambiques umfassten und weit in das heutige Zimbabwe hineinreichten. Obwohl es Portugal gelang, Moçambique erst spät (1975 nach der Nelkenrevolution in Portugal) in die Unabhängigkeit zu entlassen, erstreckte sich seine Kolonialherrschaft vor allem auf die Küste und die wichtigen Städte. Sie bestand in erster Linie in der organisierten Ausbeutung lokaler Ressourcen: Gold, Elfenbein und Sklaven. Weiter diente Moçambique Portugal als Brückenkopf für den Handel zwischen Portugal und Indien (Goa). Damit kann die Moçambiqueanische Geschichte auch als eine Geschichte der Abhängigkeit von externen Mächten und Interessen beschrieben werden: Von den arabischen Händlern, Portugiesen, Holländern, Engländern, Buren aus Südafrika, den europäischen sozialistischen Staaten während den ersten Jahren der Unabhängigkeit und neuerdings nach Öffnung des Landes und der damit einher gehenden Liberalisierung wieder zunehmend von Südafrika, Portugal, sowie einer grösseren Anzahl von Industrie- und Handelsnationen. Moçambiques doppelte Abhängigkeit vom Wasser Moçambique hängt davon ab, ob und in welchem Ausmass sich die über dem Indischen Ozean entstehenden Zyklone über dem Festland ausregnen. So können die Küstenbereiche und Einzugsgebiete der Flüsse überschwemmt, die moderne Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen und Tausende Menschen vorübergehend obdachlos werden. Den Monaten mit zuviel Wasser folgen niederschlagsarme oder sogar Dürreperioden. Dies ist für die Bauern schwer vorhersehbar; sie müssen den Entscheid zum Säen fällen, ohne zu wissen, ob der Regen rechtzeitig kommt. Moçambique hat mittelgrosse Flüsse wie den Maputo, Limpopo, Suave und Zambezi, die alle in den Nachbarländern entspringen und Moçambique lediglich auf der letzten Etappe hin zum Indischen Ozean durchfliessen. In den letzten Jahren schwankten die Wassermengen nicht nur im Rhythmus der Niederschläge. Sie nehmen insgesamt ab, da die Anrainerstaaten flussaufwärts mehr und mehr Wasser für ihren eigenen Bedarf abzweigen. Dies geschieht insbesondere in Südafrika und Zimbabwe, die im Gegensatz zu Moçambique in niederschlagsarmen Gebieten grossflächig Landwirtschaft mit künstlicher Bewässerung betreiben. Wasser als Zündstoff für regionale Konflikte Diese erheblichen Wasserentnahmen geschehen in höchst ungenügend geregeltem Rahmen. Das Entwicklungsgefälle zwischen Moçambique und Südafrika respektive Zimbabwe hat zur Folge, dass letztere zwar genaueste Informationen über die gesamten Wasserreserven im südlichen Afrika haben, Moçambique aber weder Zugriff zu diesen Informationen hat noch über genügend Know-How verfügt, um derartige Informationen zu seinen Gunsten auszuwerten und in regionalen Konferenzen argumentativ einzubringen. Seit Beendigung des Bürgerkriegs und mit zunehmender Normalisierung steigt auch in Moçambique die industrielle Produktion und damit der Wasserbedarf. Moçambique hat deshalb ein vitales Interesse daran, auch während der Trockenperioden gesicherte und nachprüfbare Mindestwassermengen in den Flüssen zu erhalten. Die neue Wasserpolitik Moçambiques Wie viele Entwicklungsländer folgte Moçambique im Optimismus der ersten Unabhängigkeitsjahre dem Versorgungsprinzip (=Angebotsprinzip): der Staat verpflichtete sich gemäss weitreichenden Modernisierungsidealen, seiner Bevölkerung Wasser in ausreichender Menge, guter Qualität und zu weitgehend subventionierten Preisen zur Verfügung zu stellen. Im Laufe der ersten zehn Jahre der Unabhängigkeit zeigten sich jedoch immer deutlicher die Grenzen der Rolle des Staates, sei es im Hinblick auf seine Fähigkeit, die Bevölkerung mit den gewünschten Wassermengen zu versorgen, sei es, diese weiter zu subventionieren. Diese Situation führte zu einer neuen Wasserpolitik mit folgenden Elementen:
Rolle der Entwicklungszusammenarbeit Die internationale Entwicklungszusammenarbeit integriert sich in den durch die nationale Politik vorgegebenen Rahmen. Zu Beginn konzentrierten sich viele Beiträge auf ländliche Regionen und den Bau von Brunnen und Handpumpen. Dabei konnten die verschiedene Regionen des grossen Landes nur sehr unterschiedlich bedient werden, da der jahrelange Bürgerkrieg es nicht erlaubte, in allen Regionen gleichermassen zu arbeiten. Neuerdings rückt die schwierige Situation in den rasch wachsenden Städten Maputo, Beira, Nampula, Quelimane und Pemba in deren Blickfeld. Da setzt auch ein grosser Weltbankkredit an, der von mehreren Staaten, darunter auch der Schweiz, zusätzlich unterstützt wird. Auch die Frage des Wasserressourcenmanagements gewinnt an Bedeutung. Dabei geht es um die Verteilung des vorhandenen Wassers zwischen Privathaushalten, Landwirtschaft, Industrie usw. Schwerpunkte der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor Die Schweiz zählt mit UNICEF und Holland zu den Ländern bzw. Institutionen, die am längsten in diesem Bereich arbeiten. Von Seiten der Menschen in Moçambique wird diese notwendige langfristige Ausrichtung angesichts des enormen Bedarfs besonders geschätzt. Bereits vor 18 Jahren begann die DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) mit der ländlichen Wasserversorgung in der nördlichsten Provinz Cabo Delgado, die an Tanzania angrenzt. Im Kleinen spiegelt sich die Geschichte des Landes und die Veränderung der Entwicklungszusammenarbeit in diesem Programm wieder. Wurden vorerst Brunnen und Handpumpen unter direktem Einsatz von Schweizer Entwicklungshelfern gebaut, erfolgt im Zuge der neuen Wasserpolitik eine Umorientierung vom Angebotsansatz zum Nachfrageprinzip. Das heisst, es werden nur noch dort Brunnen und Handpumpen installiert, wo es die Bevölkerung wünscht und sie sich zudem verpflichtet, Kosten zu übernehmen und für den späteren Unterhalt zu sorgen. Dieser neue Ansatz ist eine Herausforderung für alle: Die Menschen müssen sich aktiver engagieren, und die Techniker müssen bereit sein, mit der Bevölkerung zu verhandeln und zu kooperieren. In diesem Um- und Weiterorientierungsprozess kommt der Ausbildung ein besonderer Stellenwert zu. Hier setzt das zweite Programm der Schweizer Zusammenarbeit an: die Unterstützung der einzigen Schule für Wasserfachleute des Landes. Da wird gelernt, wie man mit der Bevölkerung gemeinsam eine Wasserversorgung entwirft, die Rechte und Pflichten zwischen der Bevölkerung einerseits und den Wasserversorgungsinstitutionen anderseits aushandelt; wie eine Handpumpe installiert und gewartet wird; wie die Kosten für das Wasser berechnet und verteilt werden. Das dritte Programm besteht in der Beratung der nationalen Wasserdirektion. Nach seinem letzten Dokumentarfilm «Der Baum der Ahnen» (1994) lässt Licinio Azevedo auch in diesem Film die Menschen ihre eigene Lebenssituation darstellen. Obschon die gezeigten Szenen weitgehend nachgestellt sind, überzeugt der Film mit klarer Bildsprache und sparsam eingesetzter Musik. Azevedo gelingt es, sehr nahe an den Menschen zu bleiben und Bilder festzuhalten, die nicht aufgesetzt wirken. Es ist beachtlich, wie Menschen, die ein solches Schicksal erleiden, sich vor die Kamera stellen und sich selber spielen können. Eine Erklärung könnte sein, dass sie mit ihrem Einsatz für die Dreharbeiten etwas bewirken konnten, indem der Streifen in der Region, die über keine Kinos verfügt, mit enormen Echo gezeigt wurde. Ein Buch und ein Kalender mit ausgewählten Fotos wurden erstellt und in der Region breit gestreut (an Akteure des Films, Schulen). Die Produktion vermochte so einen wesentlichen Beitrag zu leisten, den direkt Betroffenen ihre Situation vor Augen zu führen und damit Diskussionen und Aktionen auszulösen - der Beginn, aus der Opferrolle auszubrechen und die Zukunft aktiv mit zu gestalten. Als eine Reihe von ihnen zur Premiere des Films zum ersten Mal nach Maputo kam, war das Staunen gross: da gibt es ein Meer mit grenzenlosem Wasser, das aber zum Trinken nicht geeignet ist. Und da gibt es in der Stadt Maputo Wasserhähne, aus denen Mann/Frau schier unbegrenzt Wasser beziehen kann! «Kampf ums Wasser» wurde zwar in Moçambique gedreht, hat aber durchaus eine globale Dimension, betrachtet man die zunehmende Wasserproblematik: Versorgungsengpässe, Dürren, Überschwemmungen, Kriege um Nutzungsrechte etc.. Der Film eignet sich deshalb gut zum Einsatz in Schulen (zum Beispiel in Fächern wie Mensch und Mit/Umwelt, Geografie, Lebenskunde), in Arbeitsgruppen zu ökologischen Themen, in der Erwachsenenbildung. Situation der Familie im Film
Das Entwicklungsgefälle im südlichen Afrika
Auswirkungen von Wassermangel
Brunnenprojekte im Süden - Internationale Hilfe...
Eigener Umgang mit Wasser
Die globale Dimension
Peter Meier (Inhalt, didaktische Anregungen)
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