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Hintergrund
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Destination Liebe
Regie: Silviane Neuenschwander, Kathrin Oester u.a. |
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| Inhalt
Willi Lindanda kommt aus der Demokratischen Republik Kongo, Maha Weber aus Libanon, François aus Frankreich, Mara Sanchez Ramirez Egger aus Kolumbien und Sujay Bobade aus Indien. Ihre Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein und haben doch eines gemeinsam: Die fünf Protagonisten entdecken unser Land in einer Liebesbeziehung mit einem Schweizer, einer Schweizerin. Auf humorvolle, bissige und selbstironische Weise zeichnen sie das kontrastreiche Bild ihrer Integration in ein Land, das selbst immer transnationaler wird. Sie sprechen über ihre Liebe, nicht unsere karitativen Bemühungen, über ihren Alltag, nicht unsere Politik, über ihr Bild der Schweiz, nicht über das Unsere, über ihr Ein- und Ausgeschlossensein. Die einseitig gewählte Perspektive macht deutlich, dass MigrantInnen genauso unterschiedlich und ihre Strategien in der Liebe genauso vielfältig sind wie diejenigen von SchweizerInnen. Obwohl die Kultur den Blick und das Erleben prägt, werden die jeweiligen kulturellen Hintergründe im Hinblick auf ihre Integrationskompatibilität dabei nicht überbewertet. «DestinationLiebe» greift mit dem Thema Integration ein heikles Thema auf. Es ist eine Auseinandersetzung mit Erzählungen von Personen verschiedener Herkunft, die die Schweiz dank der Liebe kennen gelernt haben. Indem wir ihnen zuhören, erfahren wir nicht nur etwas über sie selber, sondern auch über unser Land. Denn Integration ist keine Einbahnstrasse, es braucht immer auch ein Umfeld. Die Liebe gibt einerseits einen näheren und intensiveren Zugang zu einem fremden Land und seiner Kultur, macht es gleichzeitig aber auch schwieriger, weil alles intensiver gespiegelt wird und die kulturellen Unterschiede akzentuierter hervortreten. Trotzdem stellt Integration durch die Liebe für die Betroffenen immer eine Bereicherung dar, sie haben das fremde Land zu ihrem gemacht, auch wenn die Liebe sich verflüchtigt. Über die differenzierten Aussagen von fünf MigrantInnen gelingt es «DestinationLiebe», Clichés zu vermeiden und das Thema tiefgründig und in einem Ton, der zugleich ernsthaft und voller Humor ist, zu erörtern. Die Aussagen bleiben unkommentiert stehen, erhalten so mehr Gewicht und lassen eigene Reflexionen zu. Auch formal beschränkt sich der Film auf das Wesentliche; die Schwarz-Weiss-Bilder, die engen Bildeinstellungen und die meist feste Kameraeinstellung bringen die nötige Ruhe und Konzentration, sich auf die Aussagen einzulassen. «DestinationLiebe ist ein Dokumentarfilm für alle, die mehr über die Liebe und das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft wissen möchten, die selbst in einer Paarbeziehung leben, die in der interkulturellen Beratung oder Paarberatung tätig sind, die sich beruflich mit Fragen der Migration auseinandersetzen, die mit MigrantInnen einen Blick 'von aussen' auf die Schweiz werfen möchten.» - Dieser Auszug aus dem Kurzbeschrieb der Autorinnen deutet auf die vielseitige Einsetzbarkeit des Films hin. Voraussetzungen sind, sich Zeit zu nehmen, mit anderen Augen sehen zu wollen, offen zu sein, Vorurteile abzulegen, kritisch hinterfragen zu wollen. Die didaktischen Anregungen sind primär für die Erwachsenenbildung konzipiert, lassen sich jedoch problemlos auch mit Jugendlichen der Sek-II-Stufe thematisieren, wenn das Thema Integration oder das Bild der Schweiz in den Vordergrund gerückt wird. Politisch brisante Themen wie erleichterte Einbürgerung, Einwanderung, Überfremdung, Asylstopp oder Ausschaffung sind in den Diskussionen um den Film zu erwarten und bedürfen einer guten Vorbereitung der Lehrpersonen bzw. der Kursleitung. Binationale Partnerschaften auf dem Weg zur Dritten Kultur Die rechtliche Situation, kulturelle Unterschiede und die schwierige Kommunikation machen eine grenzüberschreitende Liebe zur Herausforderung. Gelingt eine binationale Partnerschaft aber, kann sie Modellfall einer Gesellschaft der Zukunft sein. «Die Freundin meines Sohnes ist schwarz, aber sie ist nett und intelligent.» Schweizerinnen und Schweizer, die ihren Partner oder die Partnerin ausserhalb der nationalen, vielleicht auch ausserhalb der kulturellen Grenzen suchen, haben oft mit Vorurteilen, manchmal sogar mit rassistischen Ansichten von Verwandten oder Freunden zu kämpfen. Trotzdem hat sich diese Lebensform in den letzten 100 Jahren enorm verbreitet, denn «binationale Ehen sind nicht nur Lebensentwürfe Einzelner, sondern auch Ergebnisse wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen», wie die schweizerische Selbsthilfeorganisation «Interessengemeinschaft Binational» in einem Bericht festhält. Von den knapp 36 000 Ehen, die 2001 in der Schweiz eingegangen wurden, waren rund ein Drittel Verbindungen zwischen einer Schweizerin und einem Migrant oder einem Schweizer und einer Migrantin. Im Jahr 2000 führte das Bundesamt für Statistik knapp 120 000 binationale Paare auf, dabei wurden jedoch nur jene Paare berücksichtigt, bei denen ein Partner oder eine Partnerin schweizerisch ist. Würden aber auch Eingebürgerte, Doppelbürgerinnen, ausländisch-ausländische Beziehungen und die vielen binationalen Konkubinats-Paare berücksichtigt, könnte man wohl in jeder Familie irgendwo einen multikulturellen Einschlag entdecken. Doch binationale Paare bauen ihre Partnerschaft oft unter erschwerten Bedingungen auf. Wenn zum Beispiel ein Schweizer eine Frau im Ausland kennen lernt, kann diese mit einem Touristen-Visum für drei Monate in die Schweiz einreisen. Soll die Beziehung länger erprobt werden, kann je nach Praxis ein «Visum zur Vorbereitung der Ehe» bestellt werden, das bis zu neun Monate gilt, aber nur unter bestimmten, strengen Auflagen erhältlich ist. Binationale Konkubinatspaare haben also kaum die Möglichkeit zur Probeehe und die gemeinsame Basis, die eine Partnerschaft stärkt, muss oft unter Zeitdruck entstehen. Während Asylbewerber, die eine Schweizerin heiraten möchten, meist Schwierigkeiten haben, die nötigen Papiere zu besorgen, ist das Prozedere für EU-Bürgerinnen und -Bürger deutlich einfacher. Und wenn die bürokratischen Hürden genommen sind, muss die Ehe gelingen. Denn kommt es vor Ablauf von fünf Jahren zur Krise, kann es sein, dass der ausländische Partner seine B-Bewilligung verliert und die Schweiz verlassen muss. Verpflichtungen der Familie gegenüber Damit eine Partnerschaft gelingt, müssen Fragen des Alltagslebens bei binationalen Paaren meist viel grundlegender angegangen werden als bei schweizerischen. Wie gehe ich mit Zeit um? Wie feiern wir Weihnachten, Ostern? Wie erziehen wir die Kinder? Was ist Liebe? Wie viel Freiheit brauche ich, wie viel brauchst du? Wie gehe ich mit dem Heimweh meiner ausländischen Partnerin um? «Unter Zeitdruck kann eine Werteklärung kaum stattfinden», erklärt Konrad Meyer von der nordwest-schweizerischen Beratungsstelle für binationale Paare und Familien. «In Mitteleuropa zum Beispiel beruht die Ehe auf der Vorstellung von romantischer Leidenschaft. In anderen Kulturen gibt es aber zig andere Gründe, eine Ehe zu schliessen.» Grosse Enttäuschungen ergäben sich viel stärker aus Missverständnissen als durch die bewusste Täuschung durch die ausländische Partnerin oder den ausländischen Partner. Die Wertunterschiede vorher zu klären, hält der Berater deshalb für einen entscheidenden Faktor, dass binationale Partnerschaften gelingen. So ist zum Beispiel «Geld» ein Thema, an dem sich viele Konflikte entzünden. Für einen ausländischen Partner ist es meist eine Selbstverständlichkeit, die finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Herkunftsfamilie zu erfüllen. Für einen Schweizer Mann wiederum ist es nicht ohne weiteres einsichtig, warum seine afrikanische Frau jede Woche zum Frisör muss, wo er sie doch auch so sehr schön findet. Konrad Meyer: «In der Schweiz machen wir mit unserem Erscheinungsbild eine Aussage über uns selber, in anderen Ländern aber macht man sich schön, um dem Gegenüber eine Ehre zu erweisen.» Oft besteht zudem in binationalen Partnerschaften ein Abhängigkeitsverhältnis, weil Ausbildungen oder Diplome des ausländischen Partners hier nicht anerkannt sind und er deshalb nicht arbeiten kann oder auch weil er wegen Verständnisschwierigkeiten im Freundes- oder Familienkreis nicht so einfach Fuss fasst. Zwei Sprachen, zwei Kulturen Trotz dieser speziellen Umstände liegt die Scheidungsrate bei binationalen Paaren mit 39 Prozent tiefer als bei rein schweizerischen Paaren (45 Prozent). «Mit einer binationalen Partnerschaft hat man die Möglichkeit, eine eigene dritte Kultur aufzubauen», so Konrad Meyer. Andrea Knecht von der Informationsstelle Integration der GGG und langjährige Mitarbeiterin der IG Binational bestätigt: «All diese Schwierigkeiten sind auch eine Chance. Binationale Partnerschaften können farbig und toll sein, man benötigt Toleranz, Respekt und Flexibilität - jene Qualitäten, die im Arbeitsleben ja immer verlangt werden.» Deshalb ist die Fachfrau überzeugt, dass diese «Lehrstätten interkultureller Kommunikation» eine grosse Chance für die Gesellschaft der Zukunft sind. Und Kinder, die in binationalen Beziehungen aufwachsen, nehmen meist zwei Sprachen und zwei Kulturen von Anfang an mit Offenheit auf. Wie zum Beispiel der fünfjährige Felix: «Du bist ein Schneeleopard», sagte er zu seiner Mutter, «Papi ist der schwarze Panther, und wir sind Pumas.» Menschen in einer binationalen Beziehung haben nicht nur Einblick in eine fremde Kultur, sie schärfen durch den Partner oder die Partnerin auch kritisch den Blick auf die eigene. «Wir wollten MigrantInnen in ihrer Subjektivität zeigen und suchten bewusst nicht objektive Kriterien herauszuarbeiten. Es sind Liebes-, Migrations- und Integrationsgeschichten. Unsere Interviewpartner haben wir zufällig ausgewählt. In diesem Film haben wir nicht nach Aussage Cluster gesucht, sondern wir haben hauptsächlich auf die Emotionen fokusiert. In unserer Wahl stellten wir sehr schnell fest, dass wir unsere Interviewpartner aus unserem eigenen Milieu ausgewählt haben, wir lernten sie durch Freunde oder Bekannte kennen. Trotz allem haben wir versucht ein Gleichgewicht zwischen Frauen und Männer sowie Menschen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten zu finden. (…) Es war uns wichtig, dass diese Personen bereit waren, über sich und ihre Liebesgeschichte mit einer Schweizerin oder Schweizer zu erzählen und sich sehr persönlich in diese Gespräche einzulassen. Im Ganzen haben wir haben 13 verschiedene Personen interviewt, acht auch gefilmt und fünf davon für diesen Film ausgewählt. Die Länge des Films zwang uns zu einer Wahl, wir beschlossen einen Film von einer Stunde zu machen. Dies Wahl fiel uns nicht leicht, wir reagierten auch zum Teil emotional auf die einzelnen Protagonisten. Nach langen Diskussionen haben wir schlussendlich mit subjektiver Determination unsere Hauptfiguren ausgewählt. Diese verschiedenen Personen werden vermutlich auch auf sie polarisierend wirken, einige werden ihre Sympathie wecken, andere vielleicht weniger.» Kathrin Oester/Silviane Neuenschwander (Autorinnen des Films) Der Film eignet sich für folgende Ziele und Diskussionsbereiche:
Vor dem Betrachten des Films die ZuschauerInnen mit folgenden Tatsachen konfrontieren und kurz andiskutieren:
Im Anschluss an die Filmvorführung:
Chancen und Probleme von binationalen Ehen
Kulturelle Unterschiede
Integration und Ausgrenzung
Einbürgerungen, Ausländerrecht
Schweizerische Identität, Heimat
Peter Meier-Apolloni, im August 2004
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