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Angst isst Seele auf
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Der farbige Schauspieler Mulu ist auf dem Weg zu seinem Auftritt in einem deutschen Provinztheater. Er ist spät dran und telefoniert mit dem Regisseur, der über diese Verspätung alles andere als begeistert ist.

Als er nach der Ankunft mit dem Zug durch die Bahnhofunterführung geht, wird er von einer Gruppe Rechtsradikaler provoziert. Nach ersten gehässigen Worten kommt es zu Tätlichkeiten. Mulu wird zu Boden gerissen und von den Rechtsradikalen verprügelt. Keiner der umstehenden Passanten hilft ihm. Schliesslich trifft die Polizei ein und macht dem blutigen Treiben ein Ende.

Während der Protokollaufnahme wird Mulu von einem der Rechtsradikalen weiterhin verbal angegriffen. Der Neonazi erhofft sich die Sympathie der Polizeibeamten. Doch diese erledigen sachlich ihre Arbeit. Sie nehmen auf, dass Mulu deutscher Staatsbürger ist und am Theater in einem Stück nach Rainer Werner Fassbinders Film «Angst essen Seele auf» spielt. Nach anfänglichem Zorn will Mulu weder Anzeige erstatten, noch sich ins Krankenhaus bringen lassen. Er nutzt die erstbeste Gelegenheit, um ins Theater zu kommen.

Hier wartet bereits seine Bühnenpartnerin Emmi. Mulu kommt gerade noch rechtzeitig zu seinem Auftritt. Nach anfänglichem Erschrecken über Mulus Verletzungen, spielen beide äusserst gefühlvoll ihre Rollen: In einer der Schlüsselszenen verliebt sich eine dreissig Jahre ältere, einsame Frau - dargestellt durch Emmi - in einen marokkanischen Gastarbeiter, der von Mulu gespielt wird.

Nach der Aufführung sitzt Mulu wieder im Zug. Er hat vom Regisseur überschwängliches Lob erhalten. Nachdenklich streut der Schauspieler den geschenkten Blumenstrauss aus dem Fenster.

Die Regisseurin zu ihrem Film
Shahbaz Noshir-Öz wurde 1959 im Iran geboren und lebt seit 1986 in Deutschland. Von 1989 bis 2000 spielte er die Rolle des marokkanischen Gastarbeiters «Salem» in Fassbinders Theaterstück «Angst essen Seele auf» am Theater Meiningen. Dort wurde Shahbaz Noshir auf dem Bahnhof von rechtsradikalen Jugendlichen zusammengeschlagen. Dieses Erlebnis ist der autobiographische Hintergrund zu seinem Film «Angst isst Seele auf», der deshalb auf Fassbinders Theaterstück beruht.
Credits
Angst isst Seele auf
Kurzspielfilm: Hommage an Rainer Werner Fassbinders Film «Angst essen Seele auf» (1974), ausgehend von einer authentischen Geschichte

Buch und Regie: Shahbaz Noshir-Öz
Kamera: Jürgen Jürges
Schnitt: Thea Eymèss
Produktion: Yilmaz Arslan Filmproduktion GmbH, D 2002
DarstellerInnen: Brigitte Mira (spielte bereits im Fassbinder-Film von 1974 die Rolle der «Emmi»), Pierre Sanoussi-Bliss («Mulu», Stimme aus dem Off), Selim Dursun «Rechtsradikaler Hirschke»)
Musik: Peter Tröster (Nick Drake: «Parasite»)

Sprachen: Deutsch; Untertitel: Französisch, Italienisch
Filmlänge:13 Minuten
Geeignet: ab 14 Jahren, Sekundarstufe 1 und 2