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Relou
Inhalt 
Zur Regisseurin 
Die Regisseurin zu ihrem Film 
Zum Darsteller Faudel
Credits 

Inhalt
Drei junge Männer beginnen in einem vollbesetzten Bus in einem Vorort von Paris zwei junge Frauen zu belästigen. Die drei jugendlichen Franzosen arabischer Herkunft führen sich im Bus ungebührlich auf. Sie verscheuchen Mitfahrer und Mitfahrerinnen von ihren Plätzen und beginnen die zwei jungen Französinnen zu drangsalieren. Was zuerst als plumpe Anmache beginnt, wird mit der Zeit immer vulgärer und bedrohlicher.

Die beiden Frauen reagieren kaum auf die primitive Anmache der drei Maghrebiner. Dies macht die jungen Männer noch aggressiver, werfen sie ihnen doch vor, sie seien arrogant und würden sie ablehnen, weil sie arabischer Herkunft seien. Die Mitreisenden im Bus reagieren nicht und so lässt man den Dingen ihren Lauf. Es kommt zu den ersten Körperberührungen, die von den beiden Frauen diskret, aber bestimmt zurückgewiesen werden.

Plötzlich erhebt eine der beiden Frauen die Stimme und sagt dem aufdringlichsten der drei Männer in perfektem Arabisch ihre Meinung zu dessen Verhalten. Mit offenem Mund und verstört realisieren die drei Männer, dass es sich bei den jungen Frauen um Französinnen mit arabischer Herkunft handelt. Sie verlassen daraufhin perplex und kopfschüttelnd den Bus.

Pressestimmen
Fanta Régina Nacro wurde 1962 in Burkina Faso (Westafrika) geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Filmemacherin am Institut africain d'études cinématographiques in Burkina Faso. Nach einem Aufenthalt und einem filmwissenschaftlichen Studium in Paris gründete sie ihre eigene Produktionsfirma «Les Films du Défi» in Ouagadougou. 1992 drehte sie als erste Frau in Burkina Faso einen Spielfilm. Seither arbeitet sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin. In ihren mehrfach preisgekrönten Filmen behandelt sie offen, humorvoll und provokativ aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie beispielsweise Aids oder die Gleichberechtigung der Frauen. Zur Zeit lebt sie in Paris und schreibt an einem Doktorat im Bereich Erziehungswissenschaften.
Die Regisseurin zu ihrem Film
«Wir alle erliegen irgendwann rassistischen Vorurteilen, auch ich selber bin davor nicht gefeit ... Das Drehbuch von Dalila hat in mir schmerzliche Erinnerungen wachgerufen und mir Gelegenheit verschafft, sie zu verarbeiten. Vor einigen Jahren befand ich mich einmal zusammen mit Freundinnen in der Metro, als eine weisshäutige Frau das Abteil betrat, gekleidet in einen afrikanischen 'Boubou'. Wir waren der Meinung, dass sie in diesem Kleid lächerlich aussah, denn schliesslich gehört das zu unserer Kultur, und nicht der ihren.

Während der Fahrt haben wir nicht aufgehört, uns darüber in unserer Sprache, Arabisch, zu äussern und halblaut über diese Frau zu lästern. Sie reagierte nicht darauf, bis zum Moment als sie ausstieg: Sie drehte sich zu uns und redete mit uns in unserer Sprache. Nie werde ich vergessen, welche Gefühle der Trauer über unsere Spässe dabei ihre Worte und Blicke ausdrückten: Sie liebte unser Land, sprach dieselbe Sprache wie wir und konnte unsere verächtliche, abweisende Haltung nicht verstehen. Ich wünsche mir ganz aufrichtig, dass dieser Film dazu beitragen kann, jeden von uns zum Nachdenken anzuregen ...»

Fanta Régina Nacro
(Übersetzung aus dem Französischen: Peter Fasnacht)

Credits
Faudel ist in Frankreich und in der Westschweiz ein sehr bekannter Sänger. Er zählt zusammen mit Khaled und Rachid Taha (Begründer der legendären Gruppe «Carte de Séjour» / «Aufenthaltsbewilligung») zu den Grossen des Musikstils Rai. Dieser entstand Anfang des 20. Jahrhunderts im Dunstkreis halbseidener Bars und Kaschemmen in der algerischen Hafenstadt Oran. Der neue, moderne Stil der Musik des Maghrebs speiste sich aus arabisch-andalusischen Gesangstraditionen, lokaler Folklore und französischen Einflüssen und schaffte in den Siebzigerjahren den Durchbruch.

Sein Name rührt daher, dass das Publikum früher Moritaten- und Balladen-Sänger, so genannte Cheikhs, mit dem Zwischenruf «Ya Rai» – in etwa «Sag’ es!» anfeuerten. Im Sinne von «Ich sage meine Meinung!» wurde Rai zum Ventil einer tiefen Frustration und Unzufriedenheit der Jugend in Algerien und der nordafrikanischen Immigrantenszene in Frankreich. Damit, und selbst wenn die Lieder oft auch unpolitisch von Liebe und Alltag handeln, ist der längst globalisierte Rai islamischen Fundamentalisten in Algerien immer noch ein Dorn im Auge.

Vor diesem Hintergrund trägt das Umfeld von Faudel zu dessen politischem Engagement und Mitwirkung im Film «Relou» bei. Der Sänger gehört zur Gruppe der «Beurs», der zweiten, in Frankreich geborenen Generation nord-afrikanischer Einwanderer und Einwanderinnen, mit französischem Pass und bikultureller Identität. Rai bildet in seiner Musik immer noch ein authentisches Element, aber ebenso stark kommt französische und europäische Popkultur zum Ausdruck. Dies und Faudels Blick in Richtung Maghreb ist beispielsweise auf der CD «Un autre soleil» (2003, Mercury / Universal) spürbar.

Credits
Relou

Kurzspielfilm aus der Filmreihe «Pas d'histoires! 12 regards sur le racisme au quotidien»
Drehbuch: Dalila Benamara, Fanta Régina Nacro (nach einer Idee von Dalila Benamara)
Regie: Fanta Régina Nacro
Kamera: Nara Kéo Kosal
Schnitt: Andrée Daventure
Produktion: L’association «Dire, faire contre le racisme» (d.f.c.r.), Little Bear, Frankreich 2000
DarstellerInnen: Faudel, Jean Rachid, Saïd Serrari, Dalila Benamara, Fella Benamara

Sprache: Französisch; Untertitel: Deutsch, Italienisch
Filmlänge: 6 Minuten
Geeignet:ab 16 Jahren, Sekundarstufe 1 und 2